Samstag, 4. Oktober 2008
4. Oktober - Rosen
Rosen weiß und rot, die Dornen noch nicht weggezüchtet, stehen da in meiner Vase. Ich glaubte, ich holte mir Freude in mein Zimmer. Stolze Blumen, die mich erfreuen: rot und weiß. Aber nun sehe ich nur euer Welken und Vergehen. Ihr Rosen, geboren, um in Schönheit dazinzugehen. Oktober

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3. Oktober - Königliche Hoffliegenfänger
Es war ein mal vor langer Zeit ein königlicher Oberhoffliegenfänger, der hatte eine sehr, sehr wichtige Aufgabe. Er musste alle Fliegen, die sich in den königlichen Palast gewagt hatten, fangen und wieder nach draußen setzen. Der König wollte auf keinen Fall, dass einer Fliege Leids geschah. Er hasste es nur, wenn Fliegen über seine Kleidung, seine Haut oder wohlmöglich über seine Nahrung liefen. Aber am allermeisten verabscheute der König das fiese Summen und gemeine Brummen der Fliegen. Aus diesem Grunde beschäftige er nicht nur einen Oberhoffliegenfänger sondern auch noch einen Unterhoffliegenfänger, zahlreiche Fliegenfängergehilfen und einen Fliegenfängerlehrling namens Maximilian. Der Oberhoffliegenfänger war für die Planung zuständig, er war der Kopf, der Ingenier, der findige Geist. Nur gingen ihm langsam aber sicher die Ideen aus. Längst hatte er die königliche Residenz mit Fliegengittern an Fenstern und Türen ausstatten lassen. In den großen Eingangsbereichen gab es Schleusen, um das Eindringen der Fliegen zu verhindern. Und überall im Haus gab es Lebend-Fliegenfallen, um die Fliegen zu fangen, denen es dennoch gelungen war ins Schloß zu fliegen. Die Küche und das Schlafzimmer des Königs waren dreifach gesichert. Aber der menschliche Faktor war ein nicht abzustellendes Übel. Immer wieder vergaß einer der Diener alle Vorsicht, ließ aus Bequemlichkeit beide Türen einer Schleuse geöffnet und schon sausten die kleinen Insekten hinein.

Da hatte der Lehrling Maximilian eine Idee. Wenn es doch einfach derart unmöglich sei, Fliegen vom Palast fernzuhalten, dann müsse der König einen Weg finden, sich mit den Fliegen zu versöhnen, sich an sie zu gewöhnen. Als das der Oberhoffliegenfänger hörte, gefiel ihm das überhaupt gar nicht. Wie sollte er sein Salär sichern, wenn der König keine Fliegenfänger mehr brauchte. Der Unterhofflliegenfänger und alle Fliegenfängergehilfen sahen das ähnlich und ergriffen Gegenmaßnahmen. Mit anderen Worten: Sie verprügelten den armen Maximilian nach Strich und Faden, damit er ja schweige. Aber als der König Maximilians blaue Flecke und seine zerschlagene Nase sah und sich daraufhin erkundigte, was dem armen Jungen widerfahren sei, erzählte ihm der Fliegenfängerlehrling von seiner Idee und wie wenig sie den anderen Fliegenfängern geschmeckt habe. Da schwieg der König verblüfft. Dann dachte er eine lange Weile nach, schließlich breitete sich ein Lächeln über sein Gesicht. Fortan schloß er Freundschaft mit den Fliegen, mit den dicken Brummern, den gemeinen Summern und den lautlos tanzenden Fruchtfliegen. Er ließ alle Fliegengitter und die Schleusen entfernen. Und er entließ den Oberhofflliegenfänger, den Unterhoffliegenfänger und alle Fliegenfängergehilfen.

Nur Maximilian behielt er bei sich als seinen Berater. Seit dieser Zeit gibt es keine königlichen Fliegenfänger mehr. Es ist also nicht sehr verwunderlich, wenn du noch nie von diesem Beruf gehört hast. Oktober

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2. Oktober - Der Regenwurm
Es war einmal ein Regenwurm, der hatte ein regelmäßiges, manche würden sagen, eintöniges Leben.

Er fraß sich tagein, tagaus durch die Dunkelheit in der Erde. Nur wenn es stark regnete, so sehr, dass seine wunderbare Erdeinsamkeit abzusaufen drohte, kam er hervorgekrochen und versuchte so gut er konnte dem unerfreulichen Naß zu entgehen. Viele seiner Artgenossen kamen bei Regenwetter an die Erdoberfläche und soffen dann in großen Pfützen ab. Manche wurden totgetrampelt, überfahren oder vom Vogel gepickt. Bisher hatte der Regenwurm alle Unbill überstanden und wurde immer dicker und länger und fraß und fraß sich durch die Unterwelt.

Dann eines Tages wurde er unsanft von einem Spaten in zwei Teile geschnitten und aus seinem Erdparadies herausgehebelt. Die Hälften des Wurms kringelten sich und wanden sich. Die eine immer noch tief in der Erde, die andere im Erdbrocken auf dem Spaten. "Was ein dicker Wurm", rief der Ausgräber und kippte den Erdaushub auf einen Haufen. "Gute Erde hier". Das dachten sich die beiden Hälften des Regenwurms auch und bemühten sich so schnell wie möglich wieder in ihr zu verschwinden. Jede in entgegengesetzte Richtungen und für immer getrennt. Aber immerhin noch am Leben. Oktober

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